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1910/1911 - Gründungsdrama in 49 Akten

Gründungsvorstand - Fridolin Beck "Säger-Beck"
Gründungsvorstand - Fridolin Beck "Säger-Beck"

Vom "Gründungsdrama in 49 Akten" zum heutigen sehr rührigen Schützenverein!

Ein Zufall war es, das der Steingadener Max Zwißler bei Forschungen im Archiv ein kleines Aktenbündel des ehem. königlichen Bayrischen Bezirksamtes Schongau (Vorgänger des Landratsamtes Schongau) fand. Zum 90-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2000 überreichte Max Zwißler uns diese Chronik, aus der hervorgeht wie hindernisreich die Gründung unseres Vereins in den Jahren 1910 - 1911 war. Man kann nur staunen wie schon zur damaligen Zeit der Bürokratismus bei den Behörden in höchster Blüte stand.

 

Am 26. November 1910 trafen sich im Gasthaus "Drei Mohren" in Urspring am Schießsport interessierte Männer aus Urspring, und den umliegenden Weilern, mit der Absicht einen Schützenverein zu gründen. Dieser Zusammenkunft waren schon mehrere Besprechungen zwischen dem damaligen Urspringer Gastwirt Franz Lipp und dem Mechaniker Fridolin Beck, dem ehemaligen Besitzer des Urspringer Söldneranwesens "Beim Säger-Beck", vorausgegangen.

Der Antrieb zu dieser geplanten Vereinsgründung kam eigentlich vom neueingestandenen Wirt Franz Lipp, der sich von einem weiteren Verein in Urspring eine zusätzliche Einnahmequelle in seinem Gasthaus erhoffte. Der Mechaniker Fridolin Beck war dagegen als Fachmann für den Bau des Schießstandes, aber auch als Experte für Sportwaffen, es waren damals ausschließlich Zimmerstutzen, der richtige und wichtige Mann.

Alle Vorbesprechungen und auch Vorbereitungen waren abgeschlossen und so stand an dem genannten Samstag, den 26. November 1910 der Gründung eines Schützenvereins nichts mehr entgegen. Man suchte noch nach einem Namen für den neuen Verein und entschloss sich für den Zungenbrecher "Zimmerstutzenschützengesellschaft Freischütz Urspring". Als wichtigste Ziele wurden die Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit festgelegt. 

Die offizielle Dauer der Gründung (vom 1. Antrag bis zur endgültigen Genehmigung) dauerte es sage und schreibe 11 Monate und 9 Tage, nämlich vom 25. November 1910 bis 4. November 1911.

Dem Gründungsbeschluß ging ein dramatisches, bürokratisches und behördliches Hin und Her voraus, welches in der vorliegenden Gründungs-Chronik unter dem Titel "Ein Drama in 49 Akten" gründlichst beschrieben wird.

 

Einige interessante Begebenheiten, die wir den amtlichen Schriftstücken entnehmen konnten:

25. November 1910

Das "Gründungsdrama" beginnt mit einem ganz banalen Antrag an die Gemeinde Urspring mit der Bitte um eine ortspolizeiliche Genehmigung zum Zimmerstutzenschießen beim damaligen Urspringer Wirt Franz Lipp. Den Antrag stellt der Gründer und zugleich 1. Vorstand Fridolin Beck, geb. 1863, Mechaniker aus Urspring (Hausname "Sägerbeck"). Gleichzeitig beantragt er auch eine Polizeistunden-Verlängerung für die geplanten Schießabende im Vereinslokal "Drei Mohren".

26. November 1910

Der Ortsgendarm Sergant Georg Völkl stimmt der Genehmigung zu.

7. Dezember 1910

Bürgermeister Michael Mößmer von Urspring stellt eine schriftliche Anzeige an das Bezirksamt Schongau über die Gründung des Vereins.

16. Dezember 1910

Zwei angeforderte Planskizzen des Scheibenstandes werden an den Bezirksingenieur Demeter eingereicht.

30. Dezember 1910

Der Bezirksingenieur Demeter teilt mit, dass er von Schußwaffen und Schußwirkungen nichts versteht und deshalb ein schußtechnisches Gutachten durch den Forstmeister Herrn Schilcher aus Steingaden eingeholt werden muss.

7. Februar 1911

Der Forstmeister Schilcher erstellt ein Gutachten über die Sicherheit im Schießstand und zeichnet mit rotem Stift die vorzunehmenden Änderungen in der Planskizze ein.

13. Februar 1911

Nach dem 25. Schriftwechsel wird es dem Schützenmeister Fridolin Beck zu bunt. Er ist wegen den Behörden-Schikanen so verärgert, dass er seinen sofortigen Rücktritt als 1. Vorstand erklärt und die Auflösung des Vereins bekannt gibt.

7. April 1911

Bürgermeister Michael Mößmer meldet den Rücktritt von Fridolin Beck und die Auflösung des Vereins an das Bezirksamt Schongau. Erst 3 Jahre später nimmt Fridolin Beck erstmals wieder an einem Schießabend teil.

16. Mai 1911

Das Bezirksamt fordert daraufhin alle bisher zugesandten Unterlagen zurück - als Frist wird der 25. Mai 1911 gesetzt.

22. Mai 1911

An diesem Tag findet eine Versammlung zur Neuauflage der Vereinsgründung statt. Zum Glück findet sich mit Wilhelm Waibl aus Urspring ("Schmid") ein neuer Vorstand und man beschließt, mit den Behörden weiter zu kämpfen. Von diesem Tag ist noch das Gründungsfoto vorhanden. Fridolin Beck, der zurückgetretene Gründer und Vorstand, fehlt jedoch auf dieser Aufnahme.

Von jetzt an dauert es noch ganze 6 Monate bis endlich am 03. November 1911 die Schießgenehmigung an 1. Vorstand Wilhelm Waibl gegen Bezahlung einer Gebühr von 2 Goldmark ausgehändigt wird.

4. November 1911

Das Bezirksamt Schongau überprüft den Eingang der 2 Goldmark und dann erfolgt die endgültige Aktenablage - nach sage und schreibe 49 schriftlichen Anläufen ist der Schützenverein Urspring offiziell gegründet.

 

Wir haben es also einigen hartnäckigen Gründungsmitgliedern, die so lange Durchhaltevermögen gezeigt haben, zu verdanken, dass unser Verein doch noch Zustande gekommen und genehmigt worden ist.

         
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